Hayagriva aus Bronze, Tibet

Diese Bronzeskulptur stellt Hayagrīva in Yab-Yum mit seiner Gefährtin Nairātmyā dar, Gottheiten des tantrischen Vajrayāna-Buddhismus.

  • Sehr guter Erhaltungszustand. Ein Verankerungszapfen unter dem linken Bein fehlt, was die Stabilität des Ganzen jedoch nicht beeinträchtigt.
  • Maße: H 20,5 × B 17 × T 9 cm.
  • Gewicht: 2,19 kg.
  • Tibet, 19. Jahrhundert oder früher.
  • Provenienz: Sammlung Claude de Marteau.
  • Verkauft mit Herkunftsnachweis.

Verkauft

Diese tibetische Skulptur aus vergoldeter Bronze stellt Hayagrīva dar, eine der großen zornvollen Gottheiten des Vajrayāna-Buddhismus. Sein Sanskrit-Name bedeutet wörtlich „derjenige, der einen Pferdehals besitzt“; in Tibet ist die Gottheit als Tamdrin (rTa-mgrin) bekannt. Ihre Identifizierung ist hier dank des kleinen Pferdekopfes, der aus ihrem flammenden Haar ragt, einem für Hayagrīva spezifischen ikonographischen Merkmal, sofort möglich.

Das furchterregende Aussehen der Gottheit darf nicht als bösartige Darstellung missverstanden werden. Im tibetischen Buddhismus gehört Hayagrīva zum Register der Schutzgottheiten, deren Zorn im Gegenteil eine besonders energische Form des Mitgefühls ausdrückt. Er ist sowohl Schutzgottheit oder Yidam als auch Beschützer der buddhistischen Lehren. Der Lotusfamilie des Buddha Amitābha zugeordnet, wird er auch als zornvolle Manifestation des Avalokiteśvara, des Bodhisattva des Mitgefühls, dargestellt.

Eine komplexe Form des Hayagrīva in Yab-Yum

Die besonders dichte Komposition dieser Statuette rückt sie in die Nähe der roten Hayagrīva-Formen, die als „Sehr Geheime Vollendung“ (Very Secret Accomplishment) bezeichnet werden. Die Gottheit besitzt drei Köpfe mit zornvollem Ausdruck, sechs Arme und vier Beine, während zwei große, weit ausgebreitete Flügel der gesamten Figur eine spektakuläre Silhouette verleihen.

Nahaufnahme des zornvollen Gesichts von Hayagriva mit roter Pigmentierung

Feine Details des zornvollen Gesichts von Hayagriva.

Hayagrīva erscheint in Yab-Yum-Vereinigung mit seiner Gefährtin, die ihn umschlungen hält. Diese sogenannte „Vater-Mutter“-Darstellung ist charakteristisch für die tantrische Ikonographie: Weit davon entfernt, eine bloße erotische Szene darzustellen, symbolisiert die Vereinigung insbesondere die Untrennbarkeit von Weisheit und den Mitteln, die zur Erlangung der Erleuchtung eingesetzt werden.

Die drei Gesichter Hayagrīvas werden von einer Schädelkrone überragt und von einer imposanten, wie ein Flammenmeer aufgerichteten Haarpracht umrahmt, von der noch deutliche Spuren roten Pigments erhalten sind. Das Hauptgesicht zeigt die üblichen Merkmale zornvoller Gottheiten: weit geöffnete Augen, ein drittes Stirnauge, ein bedrohlicher Mund und sichtbare Reißzähne.

Detail des Pferdekopfes im roten Haar der tibetischen Gottheit.

Der Pferdekopf in Hayagrīvas Haar, ein sehr markantes Element seiner Ikonographie.

Über diesem Ensemble erscheint der Pferdekopf, im Profil gedreht. Nach tibetischer Tradition besitzt Hayagrīvas Wiehern die notwendige Kraft, um die verschiedenen Welten zu erschüttern und die Kräfte abzuwehren, die den spirituellen Weg behindern. Das Musée Guimet verweist in diesem Zusammenhang auf die Schnelligkeit des Pferdes und die Kraft seines Schreis, die Dämonen vertreiben und den Geist von seinen Verunreinigungen befreien können.

Eine Ikonographie, die ganz der Schutzmacht gewidmet ist

Hayagrīva nimmt eine dynamische und kriegerische Haltung ein. Seine gespreizten und gebeugten Beine verleihen der Skulptur eine starke Spannung, die durch die symmetrische Ausbreitung der Flügel und die Vervielfachung der Arme noch verstärkt wird. Mehrere Hände führen zornvolle Gesten aus, während die Gottheit ihre Gefährtin an sich drückt.

Die tibetischen Darstellungen dieser Hayagrīva-Form können verschiedene rituelle Attribute umfassen: Schädelschale, Blume, Schwert, Stachel, Keule, Lasso oder Ritualstab. Ihre Anordnung variiert je nach Tradition und Linie, und einige sind bei alten Bronzen häufig verschwunden. Die Identifizierung beruht daher weniger auf einem einzelnen Attribut als auf der sehr charakteristischen Kombination der drei Gesichter, der sechs Arme, der vier Beine, der Flügel, der Gefährtin und vor allem des Pferdekopfs, der das Haar dominiert.

Unter den Füßen der Gottheit liegen zwei niedergestreckte Figuren. Wie so oft in der tibetisch-tantrischen Kunst stellen diese die Hindernisse, Leidenschaften oder negativen Kräfte dar, die von der Gottheit gemeistert werden. Hayagrīva zerstört also nicht symbolisch Wesen, sondern das, was der Erkenntnis und der spirituellen Vollendung im Wege steht.

Antiker Bronze-Hayagriva aus Tibet, Detail der Figuren auf der Lotosbasis.

Die bezwungenen Dämonen, die von Hayagrīva überwundenen Hindernisse.

Das Ensemble ruht auf einem lotosförmigen Sockel aus vergoldeter Bronze, dessen abgerundete Blütenblätter der visuellen Gewalt des oberen Teils eine ruhigere Basis verleihen.

Eine tibetische Skulptur aus dem 19. Jahrhundert

Diese im 19. Jahrhundert oder früher in Tibet gefertigte Statuette weist angesichts ihrer Dimensionen einen bemerkenswert komplexen Guss auf. Die Arbeit spielt mit der Anhäufung von Gesichtern, Gliedmaßen, Verzierungen, Flügeln, Nebenfiguren und symbolischen Elementen, ohne die Gesamtwirkung der Komposition zu verlieren.

Die alte Vergoldung ist heute durch Abnutzung und natürliche Variationen der Bronzeoberfläche nuanciert. Besonders interessant sind die im Haar, in den Gesichtern und im Bart erhaltenen Pigmente: Sie erinnern daran, dass diese Skulpturen nicht als einfache monochrome Bronzen konzipiert waren, sondern vergoldetes Metall und Farben kombinieren konnten, um die Präsenz der Gottheit zu verstärken.

Diese Darstellung Hayagrīvas zeugt eindringlich von der Welt des tibetisch-tantrischen Buddhismus, in der die furchterregendsten Erscheinungen eine zutiefst schützende Wirkung verkörpern können.

Die Skulptur stammt aus dem Nachlass des Sammlers Claude de Marteau und wird mit Echtheitszertifikat verkauft.

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