Birmanische Holzskulptur des Deva Thagyamin – 18. Jahrhundert
€2800,00
Birmanische Holzskulptur, die sehr wahrscheinlich den Deva Thagyamin darstellt, die birmanische Form von Sakka/Indra, Konbaung-Zeit, 18. Jahrhundert. Himmlische Figur im Hofkostüm, von sehr schlanker Silhouette, mit alter Patina und Resten der ursprünglichen Dekoration.
- Das Werk ist auf einem von unserem Restaurator gefertigten Stahlsockel befestigt; es ist vollkommen stabil und bei Bedarf abnehmbar.
- Provenienz: Ehemalige Sammlung Claude de Marteau, verkauft mit Attest.
- H (ohne Sockel) 124 cm x T 20 cm x B 25 cm.
- Max. H (ohne Sockel) 134 cm.
1 im Geschäft erhältlich
Birmanische Skulptur mit der Darstellung von Thagyamin, Sakka oder Indra
Diese bedeutende birmanische Holzskulptur zeigt eine stehende himmlische Gottheit in reichem Hofkostüm. Die hohe, spitz zulaufende Kopfbedeckung, die hochgezogenen Schulterstücke, der Schmuck und die verschiedenen übereinanderliegenden Gewandteile gehören zum Formenvokabular königlicher und göttlicher Figuren der birmanischen Kunst.
Die besonders schlanke Silhouette wird durch die langen Vertikallinien des Kostüms und durch die beidseits der Beine angeordneten durchbrochenen Partien gegliedert. Trotz der alten Abnutzung der Oberfläche bleibt die Ornamentik in Brustschmuck, Kopfbedeckung und der minutiösen Gewanddekoration sehr gut lesbar.
Ein ikonografisches Element ist besonders bemerkenswert: Die Figur trägt vor sich eine beschriftete Tafel oder ein Manuskript. Dieses Attribut erlaubt eine präzisere Identifizierung als die generische Bezeichnung als Nat oder Deva.
Nat und Deva in der birmanischen religiösen Tradition
Im birmanischen Kontext überschneiden sich die Begriffe Nat und Deva bisweilen, ohne vollkommen synonym zu sein.
Der Begriff Deva, aus Sanskrit und Pali stammend, bezeichnet die himmlischen Wesen der hinduistischen und buddhistischen Kosmologie. Das birmanische Wort Nat hat ein weiteres Bedeutungsfeld: Es kann Naturgeister, vergöttlichte Menschen, Schutzwesen oder bestimmte himmlische Wesen bezeichnen.
Mit der Etablierung des Theravada-Buddhismus in Birma verschwinden die alten lokalen Glaubensvorstellungen nicht, sondern integrieren sich allmählich in die buddhistische Kosmologie. Diese Überlagerung erklärt, dass bestimmte Figuren in westlichen Sammlungen sowohl als birmanischer Nat, birmanischer Deva oder als himmlische Gottheit beschrieben werden können.
Thagyamin, Sakka und Indra
Die vorliegende Skulptur könnte genauer Thagyamin darstellen, den birmanischen Namen für Sakka, der seinerseits in der buddhistischen Kosmologie Indra entspricht.
Indra gehört ursprünglich zum vedischen und hinduistischen Pantheon. Im Buddhismus erscheint er unter dem Namen Śakra oder Sakka, als Herrscher des Himmels der Dreiunddreißig, Tāvatiṃsa. In Birma wird diese Gestalt zu Thagyamin, einer besonders wichtigen Figur der populären religiösen Tradition, die in die Welt der Nats integriert ist.
Die Identifizierung ist umso interessanter, als Thagyamin in der birmanischen Tradition eine moralische Funktion besitzt: Er beobachtet menschliche Handlungen und berücksichtigt die vollbrachten guten wie schlechten Taten.

Birmanische Skulpturen in öffentlichen Sammlungen zeigen Sakka oder Thagyamin entsprechend in der Erscheinung einer königlichen Figur, die ein Manuskript, eine Tafel oder ein Parabaik hält, bisweilen begleitet von einem Schreibinstrument. Bei der vorliegenden Skulptur könnte das lange, schräg auf der Tafel liegende Element genau einem Griffel entsprechen.

Zum Vergleich bewahrt das British Museum eine spätere birmanische Darstellung von Sakka (Indra), die ein Parabaik und ein Schreibinstrument hält (Inv. 1914,0812.5); ihre Ikonografie erlaubt es, die vorliegende Skulptur Thagyamin/Sakka anzunähern.
Die von dieser Skulptur getragene beschriftete Tafel ist somit ein wichtiger Hinweis zugunsten einer Darstellung von Thagyamin/Sakka.
Die Gleichsetzung von Sakka und Indra ist in der birmanischen buddhistischen Kosmologie und Ikonografie gut etabliert. Der Katalog der Ausstellung Buddhist Art of Myanmar der Asia Society definiert Sakka — Śakra im Sanskrit, Indra in der indischen Tradition und Thagya-min im Birmanischen — als den König der Götter, der im Himmel von Tāvatiṃsa residiert. Derselbe Katalog stellt mehrere alte Darstellungen von Sakka/Indra vor, die u. a. im Bagan Archaeological Museum aufbewahrt werden.
Diese ikonografische Besonderheit dürfte, über die ästhetischen Qualitäten des Werks hinaus, sehr wahrscheinlich einer der Gründe für seine Erwerbung durch Claude de Marteau gewesen sein, dessen Sammlung ein ausgeprägtes Interesse an seltenen Darstellungen und an Singularitäten der buddhistischen Ikonografie bezeugt.
Birmanische religiöse Skulptur und Konbaung-Tradition
Unter der Konbaung-Dynastie entwickelt die birmanische religiöse Skulptur ein besonders raffiniertes Formenvokabular, das himmlische Figuren, Schutzgottheiten, Nats und Gestalten der buddhistischen Kosmologie verbindet. Geschnitztes Holz nimmt eine wesentliche Stellung in der Ausstattung von Heiligtümern, Klöstern und Palastanlagen ein.
Die Skulptur zeigt eine extrem gestreckte Silhouette, nahezu als architektonisches Element konzipiert und weniger als vollplastische Rundfigur. Rücken und Profil zeigen, dass sie vor allem für die Frontalansicht gearbeitet wurde. Ihre Behandlung unterscheidet sich deutlich von vielen Mandalay-Nats des 19. Jahrhunderts, die oft voluminöser und in ihrer Ornamentik stärker überladen sind.
Das Kostüm verbindet Reliefschnitzerei, graviertes Dekor, Durchbrüche und kleine reflektierende Einlagen in floralen Motiven, vermutlich aus Glas oder möglicherweise aus Glimmer. Trotz der starken Oberflächenabnutzung und des Verlusts eines großen Teils der ursprünglichen Dekoration bezeugen diese Elemente den anfänglichen Reichtum der Skulptur. Die heutige Patina, die das Holz weitgehend sichtbar lässt, hebt hingegen die Feinheit der Schnitzarbeit und die sehr grafische Konstruktion der Figur hervor.
Quellen:
- Sally Jane Bamford, Hidden in Plain Sight: The Nat Images of Myanmar, Dissertation, Australian National University, 2017.
- Sylvia Fraser-Lu und Donald M. Stadtner (Hrsg.), Buddhist Art of Myanmar, Asia Society Museum / Yale University Press, 2015.
- British Museum, Sakka (Indra), Birma, Inv. 1914,0812.5.









