Rituelle Ziege aus polychromem Holz, Indien
€1280,00
Skulptur einer rituellen Ziege aus polychromem Holz, dargestellt mit Geschirr, Fahrzeug oder Vahana von Agni, Gott des Feuers. Indien, Ende des 19. Jahrhunderts.
- Normale Gebrauchsspuren aufgrund von Alter und Funktion, abgeblätterte Farbe (siehe Fotos)
- L 74 CM x T 20 CM x H 42 CM
- Alte Sammlung Claude de Marteau
1 im Geschäft erhältlich
Das Vorhandensein eines verzierten Sattels und eines Geschirrs auf dem Rücken dieser Ziege lässt sich durch ihre Funktion im indischen religiösen Glauben erklären, aber auch durch die künstlerischen Codes, die der Darstellung heiliger Tiere eigen sind.
Der Status als Vahana (göttliches Fahrzeug)
In der indischen sakralen Kunst kann die Darstellung eines Tieres mit einem reich verzierten Sattel und Kopf- oder Halsschmuck auf seinen Status als Vahana hinweisen, das heißt als Reittier oder Fahrzeug, das mit einer Gottheit verbunden ist. Der Bock und der Widder sind insbesondere mit Agni, dem Gott des Feuers, assoziiert.
Der Sattel verdeutlicht auf materieller Ebene, dass das Tier während der Rituale „bereit für den Ritt“ durch die Gottheit ist, wodurch er dazu beiträgt, das gewöhnliche Tier in ein sakrales Wesen zu transformieren, das die göttliche Macht zu tragen oder zu manifestieren vermag.
In der Volkskunst der nördlichen Regionen, insbesondere in Rajasthan, übertrugen die Handwerker auf heilige Tiere bestimmte Codes des Adels und der menschlichen Königswürde. Eine Ziegenskulptur mit einem reich verzierten Sattel und einem Glockenhalsband auszustatten, stellte eine Art dar, Respekt und Hingabe auszudrücken und das ritualisierte Tier zu ehren.
Es handelt sich um eine stilistische Behandlung, die man auch bei rituellen Pferden, Elefanten oder heiligen Stieren wiederfindet.
Verwendung bei Prozessionen (Utsava)
Diese Statuen konnten bei religiösen Festen und dörflichen Prozessionen verwendet werden. Der Sattel konnte auch als symbolische Unterlage dienen, um kleine Opfergaben, heilige Pigmente wie Kumkum oder Chandan oder Blumengirlanden während der Gebete darauf zu legen.

Man erkennt auf diesem Stück Überreste, die an bestimmten Stellen Wachs oder Ghee entsprechen könnten.
In bestimmten folkloristischen und regionalen Kulten, insbesondere in Gujarat oder Rajasthan, sind mehrere lokale Schutzgöttinnen mit einer schwarzen oder weißen Ziege verbunden. Der Sattel kann dann symbolisch die göttliche Gegenwart aufnehmen oder evozieren.
Die Ziege in der indischen Mythologie und Philosophie
In der alten indischen Philosophie des Sāmkhya kann die weibliche Ziege, genannt Aja, als Metapher für Prakriti verstanden werden: die ursprüngliche Natur, universelle Materie am Ursprung der manifestierten Welt. Die Darstellung eines geschmückten und geschirrten Tieres kann somit zu seiner Sakralisierung beitragen und Überfluss, Fruchtbarkeit der Erde und Wohlstand evozieren.

Die Skulptur ist mit einem Sattel und einem Prunkgeschirr ausgestattet, um ihren heiligen Charakter und ihre Rolle als Fahrzeug im Dienste des Göttlichen zu signalisieren.
Eine weitere mythologische Referenz findet sich in der Figur des vedischen Gottes Pushan, Beschützer der Herden, der Reisenden und der Wege. Sein Wagen wird traditionell von Ziegen gezogen. In der Volkskunst kann ein Tier, das zum Gefolge oder zum Fahrzeug einer Gottheit gehört, mit einem Sattel und einem Prunkgeschirr ausgestattet sein, um seinen heiligen Charakter und seine Rolle im Dienste des Göttlichen zu signalisieren.












