Dreibeiniger Tisch „Pic-Nic“ Lucien De Roeck Expo 58

Lucien De Roeck für Bois Manu, Couchtisch „Pic-Nic“ der Brüsseler Weltausstellung, 1958.

  • Sehr guter Erhaltungszustand, normale Abnutzung.
  • Die Beine wurden vom Besitzer des Tisches angeklebt. Ursprünglich wurden die Füße ausgezogen, um unter die Palette zu passen.
  • L 49 CM X B 39 CM x H 46 CM

 

 

 

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Couchtisch „Pic-Nic“ von Lucien De Roeck für Bois Manu – Expo 58

Dieser dreibeinige Couchtisch, entworfen von Lucien De Roeck und produziert vom belgischen Hersteller Bois Manu, gehört zu den Kreationen, die 1958 im Kontext der Brüsseler Weltausstellung entstanden sind. Als funktionales Möbelstück, grafisches Objekt und Souvenir der Expo 58 zugleich, stellt er eine singuläre Leistung des belgischen Designs der 50er Jahre dar.

Seine Tischplatte nimmt eine sofort erkennbare freie Form an, die einer Malerpalette. Sie zeigt eine Darstellung des Heysel-Geländes im Zenitblick, wo die verschiedenen Pavillons und emblematischen Gebäude der Weltausstellung angesiedelt sind. Diese Kartografie verwandelt den Tisch somit in eine veritable Miniaturdarstellung der Expo 58.

Ein im Musée de la Ville de Bruxelles aufbewahrtes Exemplar ist präzise als „Couchtisch“ verzeichnet, geschaffen von Lucien De Roeck, hergestellt von Bois Manu in Brüssel und datiert auf 1958. Das Museum hebt zudem die Form einer Malerpalette, die Ansicht des Heysel-Geländes auf der Platte sowie die Präsenz von drei demontierbaren Beinen hervor.

Lucien De Roeck, vom belgischen Grafikdesign zur Expo 58

1915 in Dendermonde geboren, trat Lucien De Roeck bereits 1932 in das Institut supérieur des Arts décoratifs de La Cambre ein, das wenige Jahre zuvor von Henry Van de Velde gegründet worden war. Dort bildete er sich in Typografie, Layout, Plakatgestaltung und der Schaffung grafischer Identitäten aus.

Seine Karriere begann sehr früh. 1935, im Alter von nur zwanzig Jahren und noch als Student, gewann er einen Wettbewerb für die Gestaltung eines Plakats, das der Fährverbindung Ostende-Dover gewidmet war. Diese Komposition, dominiert von einer monumentalen Ziffer „3“, die die Schnelligkeit der Überfahrt evozierte, zählt zu seinen charakteristischsten Plakaten. Er realisierte auch grafische Projekte für die Stadt Antwerpen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war De Roeck umfassend im Bereich der Presse tätig. Er entwarf insbesondere Layouts und Gestaltungen für die Zeitung des Palais des Beaux-Arts in Brüssel sowie für La Lanterne, La Cité, Phare und Le Quotidien. Als produktiver Zeichner arbeitete er auch für die illustrierte Presse und entwickelte parallel eine bedeutende Produktion von Skizzen, Plakaten, Typografien, Logos und Plänen.

Diese kartografische Tätigkeit ist im Hinblick auf den vorliegenden Expo 58 Couchtisch besonders interessant. De Roeck besaß eine ausgeprägte Praxis in der grafischen Darstellung von Städten und Territorien und realisierte mehrere Pläne des Geländes der Weltausstellung. Die auf der Platte gezeichnete Ansicht des Heysel-Geländes fügt sich somit natürlich in einen gut identifizierbaren Teil seines grafischen Schaffens ein.

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Der Plan der Brüsseler Expo 58, gezeichnet auf der Platte des dreibeinigen Couchtisches „Pic-Nic“

Der Stern der Expo 58, eine Hauptkreation von Lucien De Roeck

Es war vor allem die Expo 58, die Lucien De Roeck internationale Anerkennung verschaffte. 1954 gewann er den Wettbewerb zur Gestaltung des Emblems und des Plakats der Brüsseler Weltausstellung.

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Markierung unter dem Expo 58 Couchtisch, dort finden sich der asymmetrische fünfzackige Stern und der Vermerk „Bois Manu“

Sein asymmetrischer fünfzackiger Stern wurde zur visuellen Identität des Ereignisses. Die fünf Zacken symbolisieren die fünf Kontinente, während Brüssel im Zentrum der Komposition erscheint. Während der Expo war diese Grafik omnipräsent: auf Plakaten, Beschilderungen, Straßenbahnen, Uniformen der Hostessen und unzähligen Souvenirartikeln.

De Roeck beschränkte sich jedoch nicht auf dieses berühmt gewordene Symbol. Fast vierzig Jahre lang leitete er auch die Typografie-Werkstatt von La Cambre und trug zur Ausbildung mehrerer Generationen von Grafikdesignern bei. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Pierre Alechinsky und Jean-Michel Folon.

Der von Bois Manu produzierte kleine Tisch erhält somit eine besondere Dimension: Er ist nicht bloß ein anonymes Souvenir mit dem Dekor der Expo. Er wurde von einem der Hauptakteure ihrer grafischen Identität entworfen.

Ein Tisch in Palettenform: Möbel und grafische Kreation

Die Silhouette einer Malerpalette wird ausdrücklich in den Sammlungen des Musée de la Ville de Bruxelles erwähnt. Kein bekanntes Dokument scheint jedoch zu erklären, warum De Roeck genau diese Form wählte.

Die Verbindung zu seiner Tätigkeit als Plakatkünstler, Zeichner und Grafiker ist natürlich reizvoll: Das Möbelstück verbindet buchstäblich eine Form, die mit der Arbeit des Künstlers zusammenhängt, mit einer grafischen Darstellung des Expo-Geländes. Es ist jedoch angebracht, diese Beziehung eher als eine Interpretation des Objekts denn als eine formal dokumentierte Absicht De Roecks zu betrachten.

Die Platte ruht auf drei schrägen und demontierbaren Beinen, die diesem dreibeinigen Couchtisch eine leichte Silhouette verleihen, typisch für Möbel der 50er Jahre. Das demontierbare Gestell erleichterte zudem die Lagerung und den Transport eines Objekts, das als Souvenir der Ausstellung verbreitet werden sollte.

Heraklith, Pavatex oder Faserplatte?

Die verfügbare Dokumentation ist bezüglich der genauen Zusammensetzung der Platte nicht vollständig homogen. Das Musée de la Ville de Bruxelles beschreibt sein Exemplar als aus „Holz (Heraklith)“ gefertigt, während andere Exemplare des Modells auf dem Spezialmarkt als aus Pavatex gefertigt beschrieben wurden, d.h. aus einer Holzfaserplatte, die technisch einem Hartfaserplatte vom Typ Unalit viel näher kommt.

In Ermangelung einer Materialanalyse unseres Exemplars ziehen wir es daher vor, die vorsichtige Bezeichnung „bemalte Holzplatte“ beizubehalten, anstatt der Platte mit Sicherheit eine präzise Zusammensetzung zuzuschreiben.

Dieser Vintage-Couchtisch von 1958 vereint somit mehrere Dimensionen, die selten in einem einzigen Objekt assoziiert werden: Möbel, Grafikdesign, die Geschichte Brüssels und die der Weltausstellung. Durch seinen Autor, seine Produktion durch Bois Manu und sein Heysel-Dekor stellt er ein besonders originelles Zeugnis des belgischen Designmöbels der 50er Jahre und der visuellen Welt der Expo 58 dar, in einem kreativen Kontext, der auch von Alfred Hendrickx und Willy Van Der Meeren geprägt war.

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