Brutalistisches Fat-Lava-Vase aus roter Keramik, Otto Gerharz
€450,00
Brutalistisches Vase aus roter „Fat Lava“-Keramik vom Keramiker Otto Gerharz, 70er Jahre. Die Innenseite des Halses ist mit einem sanften Türkis emailliert, was einen unerwarteten Kontrast zum leuchtenden Rot außen und der schwarzen vulkanischen Glaçur bildet. Dieser frische Farbtupfer verleiht der Vase Tiefe und erinnert an den Geschmack deutscher Keramiker der 60er–70er Jahre für klare chromatische Kombinationen, die sich besonders beim Blick von oben auf das Stück offenbaren.
- H 50 CM X Durchmesser 25 CM.
- Halsdurchmesser 17 CM.
- Vorhandensein kleiner alter Restaurierungen an einigen Absplitterungen und Glasursprüngen, in passendem Rotton retuschiert. Diese Eingriffe bleiben diskret und sind vor allem bei genauerer Betrachtung des Sockels sichtbar.
1 im Geschäft erhältlich
Rote und schwarze Fat-Lava-Vase – Otto Keramik, Deutschland, 70er Jahre
Diese große deutsche Keramikvase aus den 70er Jahren ist eine Produktion von Otto Keramik, einer Manufaktur, die in Rheinbach vom Keramiker Otto Gerharz gegründet wurde. Ihre sehr grafische Konstruktion stellt zwei radikal unterschiedliche Oberflächen gegenüber: ein tiefrotes, glattes und glänzendes Email und eine große zentrale Zone, die mit einer dicken, unregelmäßigen und stark texturierten schwarzen und roten Glaçur bedeckt ist.
Dieses vulkanische Band bildet die ganze Kraft der Vase. Die Glaçur entwickelt sich im Relief, bildet Krater, Ansammlungen und Läufer, die bewusst mit der Regelmäßigkeit des zylindrischen Körpers brechen. Je nach Beleuchtung absorbieren die schwarzen Partien das Licht, während die rot glasierten Zonen es reflektieren, was den Kontrast zwischen rohem Material und glänzender Oberfläche noch verstärkt.
Otto Gerharz, Spezialist für Glaçurchemie
Otto Keramik wurde 1964 in Rheinbach von Otto Gerharz gegründet, dessen Werdegang die sehr besondere Identität der Manufaktur maßgeblich erklärt. Gerharz hatte sich schon früh auf die Chemie keramischer Glaçuren spezialisiert: Seine 1948 erworbene Diplomarbeit befasste sich bereits mit diesem Thema. Nach einigen Jahren, die der Entwicklung industrieller Emaillen gewidmet waren, trat er 1951 in die ebenfalls in Rheinbach ansässige Manufaktur Ruscha ein, wo er die Produktionsleitung übernahm und zahlreiche neue Glaçuren entwickelte.
Ruscha wurde daraufhin zu einer der wichtigsten Manufakturen der deutschen Nachkriegs-Zierkeramik. Diese Erfahrung verschaffte Gerharz ein besonders tiefgehendes Wissen über die chemischen Reaktionen beim Brennen, die Überlagerungen von Emaillen und die durch Variation der Dicke erzielten Effekte.
Als er Ruscha verließ, um Otto Keramik zu gründen, setzte er genau diese Forschung fort. Der Designer Kurt Tschörner, ebenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter von Ruscha, schloss sich ihm an und beteiligte sich an der Entwicklung der Formen der neuen Manufaktur. Das Prinzip ist besonders interessant: bewusst einfache Silhouetten dienen als Träger für wesentlich experimentellere und ausdrucksstärkere Glaçuren.
Eine echte Fat-Lava-Glaçur
Der zentrale Teil dieser Vase illustriert perfekt, was Sammler später als Fat Lava bezeichneten. Der Begriff bezeichnet die dicken, blasigen, rissigen oder vulkanischen Glaçuren, die bestimmte westdeutsche Keramikproduktionen der 60er und vor allem der 70er Jahre charakterisieren.
Bei Otto Keramik war dieser Effekt kein einfacher, auf die Oberfläche aufgetragener Dekor. Otto Gerharz arbeitete direkt an der chemischen Zusammensetzung der Glaçuren, damit diese während des Brennens reagierten. Überlagerungen, Läufer und Reliefbildungen erzeugen so eine Oberfläche, deren endgültiges Aussehen vor dem Entnehmen aus dem Ofen nicht vollständig kontrolliert werden kann.
Die Manufaktur erklärt noch heute, dass dieser Teil der Unvorhersehbarkeit ein integraler Bestandteil von Gerharz‘ Forschung war: Jeder Brand erzeugt kleine Unterschiede in Textur und Reaktion. Zwei Stücke, die mit derselben Form und derselben Glaçur hergestellt wurden, können daher merklich unterschiedliche Oberflächen aufweisen.
Glänzendes Rot und vulkanisches Material
Bei diesem Exemplar ist der Kontrast zwischen dem glasierten Rot und der besonders rauen schwarzen Mittelzone spektakulär. Der obere Teil bildet einen breiten, perfekt glatten Zylinder, der unterhalb der texturierten Zone von einem ebenfalls roten Sockel wieder aufgenommen wird. Diese sehr einfache Geometrie konzentriert die gesamte Aufmerksamkeit auf das Material.
Die schwarze Glaçur erscheint als eine echte Mineralkruste, die von brillanteren roten Zonen durchzogen ist. Sie erinnert an schmelzendes Material, das direkt auf der Oberfläche der Vase abgekühlt ist, daher die besonders natürliche Assoziation mit dem Begriff Fat Lava.
Diese Kombination aus einer elementaren Form und einer extrem ausdrucksstarken Oberflächenbehandlung rückt die Vase auch in die Nähe des brutalistischen Vokabulars der 70er Jahre. Es handelt sich jedoch nicht um eine rustikale Keramik: Die roten Partien sind im Gegenteil extrem glatt und leuchtend. Genau diese Konfrontation zwischen raffinierter Oberfläche und bewusst unebener Oberfläche verleiht der Vase ihre Präsenz.
Otto Keramik, eine bewusst begrenzte Produktion
Im Gegensatz zu mehreren großen Manufakturen der West German Pottery blieb Otto Keramik ein relativ bescheidener Betrieb. Die Produktion bewahrt so einen wichtigen Anteil an Handarbeit, insbesondere bei der Anwendung der Glaçuren. Diese Organisation erklärt auch die Variationen, die man zwischen verschiedenen Exemplaren derselben Form findet.
Die Manufaktur setzt ihre Tätigkeit in Rheinbach fort und ist heute eine der wenigen deutschen Kunsttöpfereien dieser Generation, die noch in Produktion ist. Otto Gerharz Jr. übernahm das Familienunternehmen in den 1990er Jahren und setzte die von seinem Vater initiierten Forschungen an Glaçuren fort.
Diese Vase aus den 70er Jahren passt natürlich zu brutalistischen Möbeln, aber ihr sehr einfaches Design ermöglicht es ihr auch, einen interessanten Kontrast in einem zeitgenössischen oder skandinavischen Ambiente zu schaffen. Ihre Silhouette bleibt aus der Ferne sofort erkennbar, während die Komplexität der Glaçur sich vor allem beim Näherkommen offenbart.











