Christian Dell, eine wichtige Figur der Bauhaus-Leuchte

Christian Dell (1893–1974)

Christian Dell, ein emblematischer Designer des 20. Jahrhunderts, wird heute hauptsächlich mit den Schreib- und Arbeitsleuchten des Bauhaus in Verbindung gebracht, die zu Referenzen des funktionalen Designs geworden sind. Hinter diesen mittlerweile ikonischen Objekten verbirgt sich jedoch ein komplexerer Werdegang, der tief in der Goldschmiedekunst und den Metallhandwerken verwurzelt ist.

Porträt des Designers Christian Dell, eine Figur des Bauhauses

Christian Dell (1893–1974)

 

Eine Ausbildung zum Goldschmied im Herzen der deutschen Tradition

Dell wurde 1893 in Offenbach am Main in Hessen geboren, einer Region mit starker handwerklicher Tradition. Bereits als Jugendlicher ließ er sich in Metallberufen ausbilden: Zwischen 1907 und 1911 studierte er Silberschmieden an der Königlich Preußischen Zeichenakademie in Hanau und absolvierte von 1907 bis 1912 eine umfassende Goldschmiedelehre bei der Manufaktur Schleissner & Söhne.

Diese doppelte Ausbildung, sowohl akademisch als auch industriell, bildet die technische Grundlage, auf der seine gesamte spätere Produktion aufbaut: Beherrschung der Legierungen, Verständnis der Herstellungsanforderungen und ein ausgeprägter Sinn für Präzision.

Von der angewandten Kunst zum Bauhaus

1913 arbeitete er als Goldschmied in Dresden, bevor er an die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule in Weimar wechselte. Dort begegnete er Henry van de Velde, einer zentralen Figur der Reform der angewandten Künste in Europa, dessen Einfluss eine Kontinuität zwischen Jugendstil und funktionaler Moderne verkörperte.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte eine Übergangszeit, in der er zwischen 1918 und 1920 verschiedene handwerkliche Tätigkeiten ausübte. Danach fand er eine feste Anstellung als Goldschmiedemeister in München bei Hestermann & Ernst und ging dann nach Berlin, um mit dem Goldschmied Emil Lettré zusammenzuarbeiten.

Das Bauhaus und die Geburt der modernen Beleuchtung

Zwischen 1922 und 1925 wurde er Werkmeister der Metallwerkstatt des Bauhaus in Weimar. Diese Zeit war entscheidend. In enger Zusammenarbeit mit László Moholy-Nagy trug er zur Definition einer neuen Formensprache bei, in der die Leuchte nicht mehr dekorativ, sondern funktional, rational und an moderne Arbeitsräume angepasst war.

In diesem Zusammenhang entwickelte er Modelle von Metalllampen für Büros, Werkstätten und industrielle Umgebungen und legte damit den Grundstein für die modernen Leuchten, wie wir sie heute kennen.

Frankfurt, Industrialisierung und Anerkennung

Ab 1926 war Christian Dell an der Frankfurter Kunstschule tätig. Dort entwickelte er mehrere Leuchtenserien, die einen entscheidenden Wendepunkt in seiner Laufbahn markierten. Die Tischleuchten aus Messing und Nickel „Rondella-Polo“ (1928–1929) stellten seine erste bedeutende Anerkennung dar, während die Serie „Idell“ die Synthese aus formalem Anspruch, Funktionalität und industrieller Fertigung vollends verkörpert. Diese wurde von Kaiser Leuchten in großem Umfang vertrieben und trug maßgeblich zur dauerhaften Etablierung der Bauhaus-Leuchte im internationalen Kontext bei.

Diese Modelle wurden von verschiedenen deutschen Verlegern in Serie hergestellt und trugen so zu ihrer weiten Verbreitung bei. 1928 wurden einige seiner Entwürfe in der Kunsthalle Mannheim in einer Ausstellung über das Handwerk im Industriezeitalter gezeigt, was seine zentrale Rolle beim Übergang vom Handwerk zum Industriedesign bestätigte.

Letzte Jahre und Erbe

Lampe Idell Christian Dell

Lampe Idell, Entwurf von Christian Dell, Edition um 1960


Verstellbare Lampe von Christian Dell

1933 beendete das NS-Regime seine Lehrtätigkeit in Frankfurt. Obwohl Walter Gropius ihm eine Stelle in den Vereinigten Staaten anbot, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er zur Goldschmiedekunst zurück und eröffnete 1948 ein Juweliergeschäft in Wiesbaden, das er bis 1955 betrieb.

Er starb 1974 in Wiesbaden.

Noch heute werden mehrere vom Designer entworfene Schreibtischleuchten produziert – ein Beweis für die Beständigkeit seines Ansatzes: eine strenge Ästhetik, die aus der Goldschmiedekunst hervorgegangen ist und in den Dienst des Funktionalen und des täglichen Gebrauchs gestellt wurde.

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